Kann ein Blutwert Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes vorhersagen?
Ein einfacher Blutwert könnte helfen, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Bluthochdruck lange vor dem Auftreten erster Symptome vorherzusagen. Dieser Wert, der als plasmatischer atherogener Index bezeichnet wird, berechnet sich aus dem Verhältnis zwischen den Triglyceriden und dem guten Cholesterin im Blut. Je höher dieser Index ist, desto größer scheint das Risiko zu sein, schwere Gesundheitsprobleme zu entwickeln.
Eine Studie mit über 2.000 Teilnehmern in Westeuropa verfolgte die Probanden über mehr als zehn Jahre. Die Ergebnisse zeigen, dass dieser Index im Laufe der Zeit stabil bleibt – im Gegensatz zu anderen Markern wie dem Blutdruck oder dem Blutzuckerspiegel, die mit dem Alter tendenziell ansteigen. Dennoch erwies sich dieser Index als unabhängiger Prädiktor für das Auftreten von Bluthochdruck, Diabetes und einer als linksventrikuläre Hypertrophie bekannten Erkrankung. Dabei handelt es sich um eine Verdickung des Herzmuskels, die oft mit einem zu hohen Blutdruck oder einer übermäßigen Belastung des Herzens zusammenhängt.
Die Forscher beobachteten zudem, dass Personen mit einem hohen plasmatischen atherogenen Index ein erhöhtes Risiko hatten, kardiovaskuläre Ereignisse – ob tödlich oder nicht – zu erleiden. Dazu zählen Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Herzinsuffizienz. Die Studie bestätigt damit, dass dieser Index ein wertvolles Werkzeug sein könnte, um Risikopersonen zu identifizieren, selbst in einer Bevölkerung, in der das kardiovaskuläre Risiko insgesamt gering ist.
Der plasmatische atherogene Index spiegelt ein Ungleichgewicht zwischen schädlichen und schützenden Fetten im Blut wider. Überschüssige Triglyceride begünstigen die Ablagerung von Plaques in den Arterien, während das gute Cholesterin, auch HDL genannt, dazu beiträgt, diese Ablagerungen abzubauen. Ist dieses Verhältnis gestört, steigt das Risiko für Arteriosklerose. Arteriosklerose ist ein Prozess, bei dem sich die Arterien durch Fettablagerungen verengen und verhärten, was zu Verstopfungen und schließlich zu Herzerkrankungen führen kann.
Die Mechanismen, die erklären, warum dieser Index mit Bluthochdruck und Diabetes zusammenhängt, sind noch nicht vollständig verstanden. Die Forscher vermuten jedoch, dass ein Überschuss an Triglyceriden im Blut eine Insulinresistenz begünstigen könnte – ein Hormon, das für die Regulierung des Blutzuckers entscheidend ist. Diese Resistenz ist ein Schlüsselfaktor bei der Entwicklung von Diabetes Typ 2. Zudem könnte sie auch zu Funktionsstörungen der Blutgefäße beitragen, etwa durch eine verringerte Produktion von Stickstoffmonoxid, einem Molekül, das dazu beiträgt, die Arterien geschmeidig und gesund zu halten. Ohne ausreichend Stickstoffmonoxid werden die Gefäße steifer und weniger fähig, sich zu weiten, was den Blutdruck erhöht.
Die Studie zeigte auch, dass der plasmatische atherogene Index besonders nützlich ist, um die Entwicklung von Diabetes vorherzusagen. Personen mit einem hohen Index hatten bis zu dreieinhalbmal häufiger ein Risiko, diese Krankheit zu entwickeln, als solche mit einem niedrigen Index. Bei Bluthochdruck und linksventrikulärer Hypertrophie war das Risiko ebenfalls signifikant höher, wenn auch weniger ausgeprägt.
Im Gegensatz zu anderen Studien, die hauptsächlich in Asien durchgeführt wurden, basiert diese Untersuchung auf einer europäischen Bevölkerung, was die Relevanz der Ergebnisse für westliche Länder stärkt. Die Teilnehmer waren gesunde Erwachsene mit einem zunächst geringen kardiovaskulären Risiko. Dies zeigt, dass dieser Index selbst in einer Bevölkerung, in der Herz-Kreislauf-Erkrankungen noch nicht aufgetreten sind, bereits diejenigen identifizieren kann, die in Zukunft davon betroffen sein könnten.
Die Forscher betonen, dass die Verwendung dieses Index in Gesundheitschecks die Prävention von kardiometabolischen Erkrankungen verbessern könnte. Durch die frühere Identifizierung von Risikopersonen könnten präventive Maßnahmen wie Ernährungsumstellungen, erhöhte körperliche Aktivität oder – falls notwendig – medikamentöse Behandlungen eingeleitet werden. Dies könnte dazu beitragen, die Häufigkeit schwerer und kostspieliger Erkrankungen sowohl für die Betroffenen als auch für die Gesundheitssysteme zu reduzieren.
Die Studie zeigte zudem, dass der plasmatische atherogene Index mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Sterblichkeit verbunden war, nicht jedoch mit einer allgemeinen Erhöhung der Sterblichkeit. Dies deutet darauf hin, dass dieser Index spezifisch mit Herz- und Gefäßproblemen zusammenhängt, eher als mit anderen Todesursachen.
Zusammenfassend unterstreicht diese Forschung die Bedeutung der Überwachung dieses einfachen, aber leistungsstarken Blutwerts. Er könnte zu einem Schlüsselinstrument für Ärzte werden, um das Risiko ihrer Patienten besser einzuschätzen und gezielte präventive Maßnahmen zu ergreifen.
Sources utilisées
Source du rapport
DOI : https://doi.org/10.1007/s40292-026-00807-3
Titre : Atherogenic Index of Plasma as Predictor for Cardiovascular Events and Cardiometabolic Diseases:Findings from the PAMELA Study
Revue : High Blood Pressure & Cardiovascular Prevention
Éditeur : Springer Science and Business Media LLC
Auteurs : Alessandro Maloberti; Rita Facchetti; Ana Jelakovic; Cesare Cuspidi; Guido Grassi